– ein Freund Albert Schweitzers

Am 25. Juli 2000 schrieb Dr. Theodor Binder in einem Brief an uns:

DrBinderASS

Meine Botschaft lautet nicht: „Folge mir nach!“, sondern:
„Tu an deiner Stelle etwas, bei dem das Du den absoluten Vorrang vor dem Ich hat. Dieses können Menschen, Tiere, Pflanzen sein, es kann die Erde sein…“
Damit ist … die brüderliche Gemeinschaft mit Albert Schweitzer genannt und hergestellt.

 

 

 

Dr. Theodor Binder am 16. Mai 2001 in unserer Schule


Dr. Theodor Binder, Urwaldarzt und Freund Albert Schweitzers, gründete in Südamerika Hospitäler und Ambulatorien, sowie Viehzucht- und Zuckerrohr-Kooperativen für Arme und Indianer.
Schon als Elfjähriger sagte Theodor Binder zu dem 44 Jahre älteren Albert Schweitzer, so etwas wie dieser in Lambarene wolle er später gern für Indianer aufbauen…
Dr. Theodor Binder stammt wie Albert Schweitzer aus dem Elsass, er studierte wie dieser Medizin (außerdem Philosophie und Ethnologie) – und lernte auch Orgel spielen. 1948 wanderte er mit Frau und Sohn nach Peru aus. Zunächst arbeitete er im Berg-Urwald und im Amazonasgebiet, anschließend am Universitätshospital in Lima. Nach acht Jahren eröffnete in Pucallpa im Amazonas-Urwald eine Praxis für Arme und Indianer und begann mit dem Aufbau eines Krankenhauses, das nach einem Besuch in Lambarene als „Hospital Amazónico Albert Schweitzer“ eröffnet wurde. Gemeinsam mit den Indianern baute er auch landwirtschaftliche Kooperativen auf.
In den 70er Jahren musste Dr. Binder Peru aus politischen Gründen verlassen. In Mexico und Paraguay gründete er weitere „Albert Schweitzer“-Projekte. 1975 wurde ihm in den USA der „Internationale Albert Schweitzer Preis für Medizin“ verliehen.
1987 kehrte yatun papa (Vater von allen), wie Dr. Binder von Indianern liebevoll genannt wird, aus gesundheitlichen Gründen nach Europa zurück. Die Hilfe aber geht weiter:
Der Verein „Indianerhilfe und Tropenwaldschutz Dr. Binder e.V. , vor allem in Paraguay und Peru aktiv, betreibt Ambulatorien (oft die einzige medizinische Hilfe weit und breit) und unterstützt indigene Gruppen beispielsweise beim Anbau und Verkauf von Zuckerrohr und Reis; darüber hinaus gelang es, im Tschako über 18.000 ha unberührten Urwaldgebietes durch Erwerb vor der Zerstörung zu retten.

Am 26. Juni 2011 starb Theo Binder im Alter von fast 92 Jahren in seinem Haus in Schwoben im Elsass.


 

Theodor Binder und die Albert Schweitzer Schule

Dr. Binder ist drei mal in der Albert-Schweitzer-Schule zu Gast gewesen, um von seinen Begegnungen mit Albert Schweitzer und von seiner Arbeit in Südamerika zu berichten. Er fühlt sich mit der Schule und besonders den Schülern sehr verbunden. Seit 2003 unterstützen Schüler, Lehrer und Eltern das von ihm ins Leben gerufene Hilfswerk mit Spenden. So konnten beispielsweise ein Trinkwasserbrunnen und eine Schule für ein Shipibo-Dorf errichtet werden.

Schulmöbel, ein Brunnen, ein neues Schulhaus
für Shipibo-Indianer in Nuevo San Juan

Im Sommer 2003 konnten aus Spendenmitteln unserer Schulgemeinschaft Schulmöbel für die etwa 40 Schülerinnen und Schüler der indianischen Schule in Nuevo San Juan (Peru) vor Ort hergestellt werden.

Dr. Binder:
„Bitte sag den Kindern in der Schule unseren riesengroßen Dank für ihr … Engagement.
Wir sind sehr glücklich darüber, dass es in Deutschland Kinder gibt, die mit solcher Großzügigkeit und Freude an die Kinder in einem klitzekleinen, ganz armen Dorf denken!“

Der Weg zur nächsten Trinkwasserstelle betrug dort 4 km. Mit der Aktion „Ein Brunnen für Nuevo San Juan“ konnten Schüler- und Lehrerschaft durch gezielte Sammel- und Spendenaktionen den Erlös unseres Novemberkonzertes 2003 mehr als verdoppeln – nach den veranschlagten Kosten genug für zwei Brunnen.
Da – überraschenderweise – auch von der örtlichen Regierung Mittel zur Verfügung gestellt wurden, blieb nach dem Bau der Brunnen sogar noch etwas Geld übrig; davon wurde Baumaterial für ein festes Schulgebäude gekauft.

In Eigenarbeit errichteten die Dorfbewohner über einem Betonboden Ständerfachwerk und Dach sowie ein Teil der Wände – weiter reichte das Geld zunächst nicht. Mit dem Erlös des Novemberkonzertes 2004 konnte dann das fehlende Baumaterial beschafft und das neue Schulhaus fertig gestellt werden.
Im Juli dies Jahres 2005 konnten sich Dr.Theodor Binder, seine Frau Carmen und Sabine Geugelin (Dr. Binders sprichwörtliche „Rechte Hand“ und unermüdliche Mitstreiterin des Vereins „Indianerhilfe und Tropenwaldschutz“) in Peru davon überzeugen, dass die an unserer Schule gesammelten Gelder für das befreundete Shipibo-Dorf gut angelegt wurden. Die nun wetterfeste Schule trägt den Namen ESCUELA NINOS DE HAMBURGO.

Sabine Geugelin: „Alle Dorfbewohner sind hell begeistert von ihrer Schule, und sie ist auch wirklich schön geworden.“

Weitere Projekte

Auch im November 2005 wurde der Erlös unserer Schülerkonzerte der Indinanerhilfe zugeführt, unsere alten Tradition der „Lambarenekonzerte“ kann damit als wieder belebt angesehen werden; daneben etablierten sich neu Sponsored Walks, deren Erlöse teilweise ebenfalls mit nach Peru fließen. Auch „Krümel & Co“ hat beachtliche Summen beigetragen. Danke!
Während Nuevo San Juan nun erstmal vergleichsweise gut ausgestattet ist, wird selbstverständlich allerorten noch dringend Hilfe benötigt. Als nächstes größeres Projekt unterstützten wir die Erstellung eines Sanitätspostens im „Pueblo Joven Teodoro Binder“.

Dr. Binder: „Ohne die Spenden der Albert-Schweitzer-Schule könnten wir diese Projekte nicht durchführen!“

In den folgenden Jahren konnte durch Spendengelder aus unserer Schule kleineren indigenen Gruppen geholfen werden, ihre Selbstständigkeit zu sichern, beispielsweise durch eine Zuckerrohrpresse, Reisverarbeitungsmaschinen oder schlicht einen neuen Außenbordmotor, um die eigenen Produkte auch zum nächsten Markt bringen zu können. Daneben stand immer auch die Unterstützung medizinischer Stationen, insbesondere des Ambulatoriums in Asuncion in Paraguay.

Nach dem Tode Theodor Binders führt Sabine Geugelin die Arbeit fort. Gleichwohl hat die Albert Schweitzer Schule im Jahre 2015 beschlossen, ihrem sozialen Engagement einen anderen Schwerpunkt zu geben: Im Fokus steht nun Vulamasango in Kapstadt (Südafrika).

Dieter Lange